04/2019

 

 


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Das Basel Economic Forum findet am 15. November 2019 zum Thema

«Daten als Wettbewerbsvorteil» Potenziale – Risiken – Rahmenbedingungen

statt.


Mehr Informationen und das Anmeldeformular finden sie auf www.baseleconomicforum.ch.

 

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Rückblick: Wirtschaftsforum Binningen 2019

«Doppelmoral» – aus gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Sicht


Zwei verschiedene Massstäbe sind schnell angelegt, Doppelmoral etwas grundsätzlich Menschliches. Entsprechend gross war die Resonanz auf das Thema des 6. Binninger Wirtschaftsforums.

 

© Alex Uehlinger

 

Mike Keller, Gemeindepräsident von Binningen, durfte im gut besuchten Binninger Kronenmattsaal rund 120 Gäste und diverse Persönlichkeiten aus regionaler und nationaler Politik begrüssen. In seinen einführenden Worten zeigte er anhand vieler Beispiele auf, wie widersprüchlich ausnahmslos jeder von uns bisweilen handelt oder denkt. In der Folge übergab er das Wort an Prof. Dr. Edy Portmann vom Human-IST Institute in Fribourg, der mit seinem Inputreferat in die Thematik einführte.

 

© Alex Uehlinger


Portmann hielt fest, dass wir die Doppelmoral vermutlich den alten Griechen zu verdanken hätten. Aristoteles sei es gewesen, der alles in zwei Kategorien habe einteilen wollen – falsch oder richtig, dazwischen dürfe nichts sein und beides gleichzeitig schon gar nicht. Diese binäre Logik sei in unserer westlichen Hemisphäre über die Jahrhunderte derart mit dem Denken verschmolzen, dass uns eine Sowohl-als-auch-Antwort jeweils unbefriedigt zurücklasse. Insbesondere im Engineering ­– das einer ausschliesslich binären 0-und-1-Logik folge – trete dieser Umstand deutlich zu Tage. Die neusten technologischen Trends würden allerdings dieses Schwarzweiss-Denken infrage stellen und Widersprüche zulassen: Intelligente Systeme, also beispielsweise «Künstliche Intelligenz» oder «Machine Learning», würden nicht mehr binär funktionieren, sondern im Gegenteil das Potenzial nutzen wollen, das sich aus Widersprüchen ergibt. In Anspielung auf seine Doppelrolle auch als Moderator des Abends, schloss Portmann sein Einführungsreferat mit der Bemerkung, dass ein humanistischer Zugang zu einem Problem mit Extrempositionen nicht vereinbar sei. Vielmehr sei nach dem Ausgleich zu streben, nach der Perfektion des Imperfekten, womit er die Synthese der Standpunkte zum Ziel der nachfolgenden Diskussion machte.

 

Portmann eröffnete die Diskussion, indem er sich bei Mike Keller nach der Doppelmoral in Mobilitätsfragen erkundigte. Keller stellte klar, dass aus seiner Sicht, die Mobilität der Zukunft «zu Fuss gehe». Der Boom der Elektromobilität sei zwar der Industrie zu gönnen und momentan auch die beste verfügbare Lösung, allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Zukunft sei in einem umfassenden Kontext zu denken, wofür der Leidensdruck momentan aber noch zu wenig hoch sei. Er plädierte für eine Politik der kleinen Schritte, denn Lösungen müssten schlussendlich umsetzbar sein – anders sei auf dem politischen Parkett nichts zu erreichen.

 

© Alex Uehlinger

 

Regula Ruetz, Direktorin des Think Tanks metrobasel, sprach sich für Anreize und gegen klassische Verbote aus, um widersprüchliches Verhalten aufzulösen. Häufig würden einer Doppelmoral nämlich Partikularinteressen zugrunde liegen. Es sei ein unumstösslicher Fakt, dass der Mensch sich in vielem grundsätzlich egoistisch verhalte, aber eine Bewegung der Vernunft und der kleinen Schritte könne diese tief verankerte Denkweise durchbrechen. Das erfordere aber Mut und Mässigung auf allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen. Was den Klimawandel anbelange, sei es eins-vor-zwölf. Wir müssten daher umgehend Massnahmen ergreifen. Wir hätten keine Zeit, auf die grossen, globalen Würfe zu warten. Sie plädierte deshalb dafür, dass jeder sich dort einsetzen solle, wo sie oder er etwas bewegen könne.

 

© Alex Uehlinger


Johann Rudolf Meier, dipl. Hotelier, Berest Gruppe, machte eine Doppelmoral vor allem im Umstand fest, dass der Mensch überaus gerne über Massnahmen spreche, die andere beträfen. Wolle man allerdings wirklich einen Schritt weiterkommen, brauche es Solidarität und Zusammenarbeit. Das erfordere ein Problembewusstsein beim Einzelnen, das über den eigenen Lebenshorizont hinausgehe. Denn der Generationenvertrag gelte nicht nur in Bezug auf die Altersvorsorge, sondern beinhalte auch den Erhalt der Umwelt für unsere Nachkommen. Und um diesen Vertrag einhalten zu können, sei eine dogmatische Sichtweise nicht förderlich. Vielmehr seien Pragmatismus und ein Vorgehen in Zwischenschritten angebracht.

 

© Alex Uehlinger

 

Kevin Vidal, Mitglied des Organisationskollektivs Klimastreik Basel, stellte fest, dass grüne Forderungen oftmals mit der persönlichen Freiheit kollidierten. Dabei würden die Forderungen zwar breit anerkannt, dennoch sei der Einzelne nicht gewillt, auf liebgewonnene Annehmlichkeiten zu verzichten. Die Diskussion sei entsprechend emotional aufgeladen, das Argument der Doppelmoral schnell zur Hand. Er sei in den Klimastreik eingetreten, um die Gesellschaft insgesamt grüner zu machen und nicht um den Einzelnen moralisch zu belehren. Er wolle sich anderen Ansichten stellen und halte diese auch für befruchtend, aber der kleinste Nenner der Diskussion müssten die Erkenntnisse der Wissenschaft sein. Andernfalls sei es unmöglich, ein Ziel zu formulieren, das zu verfolgen sich auch lohne.

 

© Alex Uehlinger

 

Matthias Suhr, Direktor des EuroAirports Basel-Mulhouse-Freiburg, wies darauf hin, dass er als Verantwortlicher für einen Flughafen und um die Zukunft besorgter Mensch eine Doppelrolle innehabe, die aber nicht zwangsläufig einen unauflösbaren Widerspruch mit sich bringe. Der Luftverkehr habe lediglich 2% Anteil am weltweiten CO2-Ausstoss. Ob damit Flugverbote gerechtfertigt werden könnten, sei dahingestellt – zumal regionale Flugverbote wenig bringen würden. Allerdings betrachte er es als äusserst problematisch, dass Kerosin als einziger Treibstoff nicht besteuert würde. Hier solle man ansetzen und die so neu zur Verfügung stehenden Mittel in den technischen Fortschritt investieren. Die Herausforderungen des Klimawandels seien umfassend und die Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen sich vollzögen, überfordernd. Deshalb sei man versucht, mit dem moralischen Zeigefinger auf andere zu zeigen. Und da trete dann die Doppelmoral zutage. 

 

© Alex Uehlinger

 

Prof. Dr. em. Ueli Mäder, Soziologe, em. Prof. Universität Basel, bemängelte, dass das funktionalistische Entweder-Oder-Denken in der älteren Generation sehr verbreitet sei. Für den Umgang mit Widersprüchen seien die anders sozialisierten jungen Menschen von heute besser gewappnet. Eine systemische Betrachtungsweise sei angezeigt und nicht ein System, das ausschliesslich auf dem Setzen von Anreizen beruhe. Anreize hätten in einem ganzheitlichen Lösungsansatz durchaus ihre Berechtigung, aber eine Gesellschaft, die gewünschtes Verhalten lediglich durch Incentives herbeizuführen versuche, pervertiere den gut gemeinten Ansatz. Der Mensch sei als grundsätzlich mündiges Wesen zu betrachten, das sich auch nicht vom Verhalten der anderen entmutigen lassen dürfe. Nicht nur die grossen Schritte seien wichtig, sondern auch die Schritte vor der eigenen Haustür. Jeder müsse reflektieren, was sie oder er betragen könne zu einem «guten Leben».

 

 

«nachgefragt»: mit Patrik A. Janovjak, CIIA, Chief Investment Officer, BLKB

 

© Alex Uehlinger


In der Rubrik «nachgefragt» beantwortete Patrik A. Janovjak, CIIA, Chief Investment Officer, BLKB, Fragen zum Thema nachhaltiges Anlegen. Janoviak stellte klar, dass das Investieren in Unternehmen, die sich mit Lösungen für unsere drängendsten Probleme befassen, mit den grössten finanziellen Chancen verbunden sei. Die Nachfrage nach nachhaltigen Investments habe spürbar zugenommen – unter anderem weil die Klimabewegung für die notwendige Resonanz gesorgt habe. Nachhaltigkeit dürfe dabei keinesfalls als Trend abgetan werden, sondern sei für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen zukünftig entscheidendes Kriterium. Genau deshalb beschränke sich die BLKB auch nicht nur auf das Fördern nachhaltiger Investitionen, sondern lebe den Gedanken der Nachhaltigkeit aktiv – in dem dieser in die Firmenkultur integriert werde mit neuen Arbeitszeitmodellen, dem Umstieg auf Elektromobilität und dem Ziel der CO2-neutralen Bank.

 

© Alex Uehlinger

 

Wir danken der Gemeinde Binningen und der Basellandschaftlichen Kantonalbank für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Organisation dieses Anlasses.

 


 

 

 


 

 

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